Österreich muss dringend in vorschulische Bildung investieren! Forderung an neuen Bildungsminister Polaschek

Dienstag, 7. Dezember 2021
Mehr Investitionen für den vorschulischen Bildungsbereich (c) Nadja Meister, Diakonie Flüchtlingsdienst
Mehr Investitionen für den vorschulischen Bildungsbereich (c) Nadja Meister, Diakonie Flüchtlingsdienst
  • Jetzt in vorschulische Bildung investieren (c) Nadja Meister, Diakonie Bildung
    Jetzt elementare Bildung investieren, um die Zukunft der Kinder und Arbeitsbedinungen im Kindergarten zu verbessern! Foto: Nadja Meister, Diakonie Bildung
Die Träger:inneninitiative Elementare Bildung Wien (Kinderfreunde Wien, St. Nikolausstiftung, KIWI – Kinder in Wien und Diakonie Bildung) gratuliert Martin Polaschek herzlich zur Ernennung zum Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung. In einem offenen Brief an den neuen Minister weist die Initiative auf die aktuell großen Herausforderungen der Elementarbildung mit wissenschaftlich fundierten Informationen hin.

Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Schuleinstieg und einer guten Bildungskarriere ist der mindestens drei, besser vier Jahre dauernde Besuch einer qualitativen elementaren Bildungseinrichtung. Benachteiligte Kinder profitieren besonders von elementarer Bildung mit guter Qualität und einer Mischung des sozio-ökonomischen Hintergrunds. (Quelle: Sylva et al., 2004) Von unzähligen Studien bestätigt, bedeutet das: Bildungspolitische Maßnahmen sind am effizientesten im Kindergarten anzusetzen. Denn ein qualitativ hochwertiger Kindergarten ist ein bildungspolitischer Tausendsassa.

Investitionen in elementarpädagogische Bildungsqualität bringen Gesellschaft und Politik ein Vielfaches zurück. Für die Altersgruppe der 1- bis 6-Jährigen gilt ein so genannter Return on Investment von 7:1, das bedeutet: Jeder Euro, der jetzt investiert wird, kommt siebenfach zurück! (Quelle: Schweinhart 2005, Belfield 2006)

Die Träger:inneninitiative Elementare Bildung Wien weist dazu auf folgende Fakten hin:

Qualität in der Elementarbildung

Die größte und längste Langzeitstudie Europas, die EPPSE-Studie kam zu dem Ergebnis, dass von Qualität in der Elementarbildung gesprochen werden kann, wenn

  • gut ausgebildete Pädagog:innen, die wissen wie Kinder lernen, engagiert mit Kindern arbeiten,
  • kognitive und soziale Bildung im Kindergarten gleich wichtig sind,
  • es eine respektvolle Kinder-Erwachsenenbeziehung gibt und die Bildungsinhalte durch offene Fragen gemeinsam erarbeitet werden,
  • freies Spiel und pädagogische Impulse sich die Waage halten,
  • Kinder bei der Lösung von Konflikten unterstützt werden und
  • Eltern in den Bildungsprozess miteinbezogen werden.

Doch die Elementarpädagogik in Österreich braucht dringend Ihre Aufmerksamkeit, um diese Fakten zu erfüllen. Es braucht sehr rasch:

  • Einheitliche Richtlinien für die erste Bildungseinrichtung Kindergarten für alle Bundesländer,
  • eine hochwertige Ausbildung von Elementarpädagog:innen, die gerne in einen attraktiven und anerkannten Beruf einsteigen,
  • bessere Rahmenbedingungen für die elementarpädagogische Arbeit, allem voran weniger Kinder pro Pädagog:in (kleinere Gruppengrößen),
  • Ressourcen für eine gute Umsetzung der Bildungspartnerschaft und für Elternbildung.

Entscheidend für die Qualität der Bildungseinrichtung sind vor allem die Gruppengröße und der entsprechende Fachkraft-Kind-Schlüssel. Nur so können qualitativ hochwertige Interaktionen gestaltet und Kinder beim Aufbau sicherer Beziehungen sowie in ihrer Selbstbestimmung, Kreativität und individuellen Kompetenzentwicklung unterstützt werden, wie etwa die mehrsprachliche Kompetenz mit Deutsch als Bildungssprache.

Nach wie vor gibt es keine bundesweit einheitliche Regelung für den Fachkraft-Kind-Schlüssel, die immer wieder dringend von uns und anderen Expert:innen gefordert wird!

Vielmehr sind die Pädagog:innen durch ihre besondere Rolle, die sie während der Pandemie spielen (die Arbeit mit Kleinkindern ist mit Maske und Abstand unmöglich, nach wie vor keine flächendeckenden Lutschertests, Distance-Betreuung ist nicht möglich) am Rande ihrer Kräfte. Sie waren während jedes Lockdowns im Einsatz, der akute Pädaog:innen-Mangel wurde durch Krankenstände und Burnouts noch verschärft.

Österreich muss dringend in vorschulische Bildung investieren!
All das zeigen die Kindergarten-Träger:innen seit Jahren auf. Es ist längst an der Zeit, österreichweit einheitliche und verbesserte Rahmenbedingungen zu schaffen und gezielt in den Bereich der Elementarbildung zu investieren. Wir ersuchen den Minister daher, sich intensiv und umgehend mit dem Anliegen der elementaren und außerschulischen Bildungseinrichtungen auseinanderzusetzen.

Rückfragen & Kontakt:
Diakonie Bildung: Karin Brandstötter, T: 0664 827 34 83, karin.brandstoetter@diakonie.at
Kinderfreunde Wien: Michaela Müller-Wenzel, 0664 542 31 58, michaela.mueller-wenzel@wien.kinderfreunde.at,
Kinder in Wien (KIWI): Susanne Borth, T: 0664 886 89 008, s.borth@kinderinwien.at
St. Nikolausstiftung: Gabriele Zwick, T: 0664 610 1398, g.zwick@nikolausstiftung.at