Diakonie unterstützt Initiative Neustart Schule

Mittwoch, 29. Oktober 2014
Schulassistenz in der Förderklasse für SchülerInnen mit Lernbehinderung
Schulassistenz in der Förderklasse für SchülerInnen mit Lernbehinderung
Diakonie Direktor Chalupka: Sonderbar ist nur jene Schule, die keine Kinder mit Behinderung unterrichtet

„Es fällt auf, dass die öffentliche Debatte um die Schulpolitik in Österreich immer noch ohne den Gedanken der Inklusion stattfindet“, kritisiert Michael Chalupka, Direktor der Diakonie. „Eine sonderbare Schule ist aber nur jene Schule, wo keine Kinder mit Behinderung unterrichtet werden. Inklusive Bildung ist nicht etwas, was wir uns leisten sollten, sondern etwas, von dem alle profitieren“, betont Chalupka. Daher begrüßt die Diakonie die Initiative Neustart Schule, ins Leben gerufen von der Industriellenvereinigung. Denn in der inklusiven Schule lernen die schwächeren SchülerInnen von den stärkeren, und die Stärkeren profitieren von den speziellen Lernsituationen und entwickeln soziale Kompetenzen, die später im Arbeitsleben gebraucht werden.

„Derzeit gibt es noch viele Lücken in der inklusiven Bildung“, betont Chalupka. Zum Beispiel sind Kinder mit Behinderung vom verpflichtenden Kindergartenjahr ausgenommen. Die Nachmittagsbetreuung an Schulen wird zudem nur ohne Integrations-Stützkraft angeboten, so dass Kinder mit Behinderung nur bis 13:00 Uhr in die Schule gehen können. Und auch der Besuch von integrativen Klassen ist per Gesetz nur neun Jahre möglich - integrativ geführte Oberstufen werden derzeit nur als Schulversuch in wenigen Schulen geführt.

Außerdem bestehen große regionale Unterschiede. Die Integrationsquoten, die angeben wie viele Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf gemeinsam mit anderen Schülern unterrichtet werden, variieren stark zwischen den Bundesländern.

Mit der Neugründung einer Diakonie-Schule in Wien Donaustadt zeigt die Diakonie ihr Engagement im Bereich Integration und Inklusion: Das Schulgebäude wird im Hinblick auf die Inklusion von SchülerInnen mit Behinderung erbaut. Gemeinsamer Unterricht aller 10 bis 14jährigen ist selbstverständlich. Und Chalupka fordert: „Es muss Bewegung in die Bildungspolitik. Und das heißt auch, sich für die seit Jahren anstehenden Reformen im integrativen Unterricht stark zu machen.“

Die Initiative Neustart Schule will gemeinsam mit anderen Bildungsinitiativen, Bildungsinteressierten und der österreichischen Bevölkerung auf die Politik einwirken, um eine grundlegende Neukonzeption des Bildungssystems anzugehen.