Kindergarten Hamburgerstraße: Zusammenwachsen in Zeiten des Abstandhaltens

Im Kindergarten Hamburgerstraße werden normalerweise 100 Kinder in vier Gruppen liebevoll betreut. Wie es KollegInnen, Kindern und Eltern in der dritten Woche nach dem „Lockdown“ geht, beantwortet Helene Lux, Leiterin des Kindergartens.
Josefa zeigt ihren PädagogInnen, was sie zuhause gemacht hat
Josefa zeigt ihren PädagogInnen, was sie zuhause gemacht hat

Betreuung und Kindergartenalltag wurden auf den Kopf gestellt, wie sieht euer neuer Alltag und die Betreuung vor Ort aus?

HELENE LUX: Meine KollegInnen im Kindergarten Hamburgerstraße haben sich schnell auf die neue Situation eingestellt. Wir müssen sehr einfallsreich sein. Vieles was bisher selbstverständlich war, muss jetzt improvisiert werden. Da wir aktuell nur maximal zwei Kinder betreuen, wird auch unser Mittagessen nicht mehr geliefert – jetzt müssen wir eine andere Möglichkeit finden, Essen bereitzustellen.

Im Kindergarten arbeiten abwechselnde Betreuungsteams. Es sind immer die gleichen KollegInnen in den Teams zusammen. Während die einen im Kindergarten sind, arbeiten die anderen KollegInnen daheim im Homeoffice. Wir halten die Vorgaben des Bundes natürlich ein, aber können keine Schutzkleidung oder Masken tragen. Das würde die Kinder sehr verängstigen.

Welche Sorgen habt ihr als PädagogInnen?

Es ziehen alle an einen Strang und passen aufeinander auf. Aber so, wie sich momentan viele in der Gesellschaft Gedanken um ihre Zukunft machen, erlebe ich diese Sorgen auch im Team. Da kann ich momentan zum Glück noch sagen: Wir müssen uns keine Sorgen machen. Wir stellen uns natürlich die Frage, wie es nach dem Lockdown weitergeht und ob wir uns weiterhin gut schützen und gesund bleiben können.

Wie könnt ihr in dieser Zeit für die Kinder da sein?

Einmal in der Woche gibt es ein Home-KiGa-Online-Package, das wir per E-Mail an die Eltern verschicken Wir bemühen uns, diese sehr abwechslungsreich zu gestalten und bieten den Eltern und Kindern Lieder, Fingerspiele, Kreativideen, Rezepte, Bewegungsgeschichten, Experimenten uvm.. Dabei ist uns wichtig, dass diese mit einfachen „Haushaltsmaterialien“ umsetzbar sind. Außerdem verschicken wir selbstgedrehte Videos.

Ihr dreht für die Kinder Videos? Welche sind das?

Wir profitieren gerade sehr von unserer guten Vernetzung mit andern Kindergärten der Diakonie Bildung. So können wir die Videos unserer KollegInnen nutzen. Astrid Kappel, Leiterin des Kindergarten Donaustadt  liest regelmäßig Geschichten vor und stellt uns die Videos zur Verfügung. Matea Doskoc leitet den Kindergarten Citygate und ein Kasperltheater für die Kinder aufgenommen.

Wie stellt ihr darüber hinaus die bestmögliche Versorgung und Betreuung sicher?

Wir fragen regelmäßig den aktuellen Betreuungsbedarf ab und versuchen die soziale Situation abzuklären. Das heißt, bevor Eltern, Erziehungsberechtigten oder AlleinerzieherInnen die Decke auf den Kopf fällt, können und sollen sie die Kinder in den Kindergarten bringen.

Wie geht es den Kindern mit der Situation? Daheim und im Kindergarten?

Den Kindern, die aktuell in den Kindergarten kommen, geht es gut. Ihre Eltern arbeiten im Gesundheitsbereich. Sie sind gut aufgefangen und können mit der Situation gut umgehen. Ansonsten ist diese Frage nicht so leicht zu beantworten. Wir hören von jenen Eltern und Kindern etwas, denen es gut geht, sehr gut geht. Ich würde sagen, einem überwiegenden Großteil der Kinder und Eltern von unserem Kindergarten geht es gut. Natürlich kommt es aber auch zur Überforderung, wenn Eltern oder AlleinerzieherInnen im Homeoffice arbeiten und nebenbei drei Kinder betreuen sollen.

Wenn wir gerade von den Eltern sprechen, wie gehen die Eltern mit der neuen Situation um?

Ich telefoniere zurzeit wirklich viel mit den Eltern. Zu Beginn waren sie noch sehr gelassen und haben sich wenig Sorgen gemacht. In dem Sinne, dass es geheißen hat, Kindern kann das neue Virus nichts anhaben. Das hat sich jetzt durch ein paar Fälle geändert. Obwohl Kinder und Jugendliche nicht zur Risikogruppe zählen, eine Infektion sogar symptomlos verlaufen kann.

Was zu den Sorgen um die Kinder dazu kommt, sind jetzt Existenzängste. Wir sind im 5. Bezirk und viele Eltern sind Selbstständige. Wir sind mit den Eltern im ständigen Austausch und versuchen zuzuhören, auch wenn wir an der Situation nichts ändern können.

Die Krise als Chance! Diesen Satz hört man gerade sehr oft. Kannst du diesem etwas abgewinnen? Gibt es etwas Positives zu berichten?

Ja! Der Zusammenhalt in unserem Team ist wirklich stark, die aktuelle Situation hat den Zusammenhalt noch verstärkt.

Wir passen so gut aufeinander auf, alle ziehen an einem Strang, wir halten und arbeiten zusammen und wir versuchen uns gegenseitig zu ermutigen. Das erleichtert mir natürlich die Arbeit als Leiterin sehr. Wir erhalten als Team unzählige Nachrichten, Fotos und E-Mails von den Eltern und Kindern. Das gibt uns die nötige Kraft, diese Krise durchzustehen.